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(c) Pester Lloyd / 14 - 2012     POLITIK   02.04.2012

 

Dreiviertel gegen Zweidrittel

Letzte Umfrage vor dem Schmitt-Effekt in Ungarn

Die Regierungspartei Fidesz hat seit den Wahlen 2010 ein Drittel seiner Unterstützer eingebüßt, behält aber einen riesigen Vorsprung vor der Opposition. Der könnte im nächsten Monat jedoch deutlich schmelzen, wenn sich der Plagiatsskandal in den Umfragen zu Buche schlägt. Doch die demokratische Opposition kann nicht vom Abwärtstrend der Orbán-Regierung profitieren, das tun dafür die Neofaschisten, dauerhaft und immer stärker.

“Ein Land sagt: Genug!”, so der Slogan des Fidesz zur Europawahl 2009. Möglich,
dass der Spruch bald als Echo vom Volk zurückhallt. Foto: fidesz.hu

Das Meinungsforschungsinstitut Medián ermittelte in seiner aktuellsten Befragung Ende März, dass 73% der wahlberechtigten Bevölkerung das Land "auf dem falschen Weg" sehen, bei den Fidesz-Sympathisanten sind das immerhin noch 32%. Kurz: Dreiviertel der Bevölkerung findet es nicht richtig, was die Regierung mit ihrer Zweidrittelmehrheit anstellt. Zwei Drittel finden übrigens auch Orbáns Leistungen nicht besonders ergiebig, nur 33% aller Befragten sind mit der Arbeit von Premier Orbán zufrieden, was ja ziemlich genau mit der so gläubigen wie treuen Fidesz-Anhängerschaft korrespondiert. Noch 21% finden die Arbeit der gesamten Regierung ansprechend, was ein etwas anderes Bild ergibt als jenes, das uns Fidesz-Propagandisten mit ihren "Friedensmärschen" suggerieren wollen, nämlich, dass "das Volk" auf ihrer Seite stünde.

Die Unterstützung der Regierungspartei Fidesz-KDNP liegt bei 26% bei allen Wahlberechtigten, +1 Punkt zum Vormonat, aber rund 12 Punkte unter 2010. bzw. ein Drittel aller Unterstützer. Die sozialdemokratische MSZP kommt auf 16% (+3) Gesamtunterstützung, Jobbik auf 12% (-2), LMP auf 5% (-1). In dieser Umfrage weichen die Werte des Institutes Tárki und auch die des als regierungsnah einzustufenden Instituts Sázadvég nur wenig von den Medián-Zahlen ab. Die Demokratische Koalition (DKP), eine Abspaltung von Ex-Premier Gyurcsány wird von allen zwischen 1-2% gesehen.

Rund 40% geben keine Parteienpräferenz an und, je nach Umfrage, zwischen 49 und 62% würden derzeit tatsächlich auch zur Wahl gehen wollen. Bei den zur Wahl entschlossenen Befragten, also der Sonntagsfrage, ergibt sich folgendes Bild:

___________________________________________________________________

                    Institut:    Medián       Tárki       Százdvég             Wahl 2010
Partei

Fidesz-KDNP                        43             45              46                      53
MSZP                                   23            21             25                       19
Jobbik                                 23            19             17                       17
LMP                                      6             8                7                         7
DKP                                      4             5                2                         -

(gerundet, in Prozent der abgegebenen Stimmen)

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   Alle, bis auf ein Wahlbezirk fielen 2010 an Fidesz-KDNP. KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN

   Was letztlich zu einer 2/3-Mandatsmehrheit führte. KLICKEN ZUM VERGRÖSSERN

Bemerkenswert an den Zahlen ist der 6 Punkte-Aufschwung von Fidesz binnen eines Monats bei Tárki sowie der Absturz der MSZP um 5 Punkte, vielleicht liegt es daran, dass die Umfrage just um den mi tpatriotischen Gefühlen angefüllten Nationalfeiertag des 15. März abgehalten wurde, denn mit der allgemeinen Performance von Fidesz kann es weniger zusammenhängen, wie die obigen Werte belegen.

Bei allen ist das anhaltende Hoch der neofaschistischen Jobbik ersichtlich, die als einzige vom Beliebtheitsverlust der Orbán-Regierung markant profitiert, obwohl die Abweichungen zwischen den Instituten von bis zu 6 Punkten viel Interpretationspielraum lassen. Századvég, rechnet regierungsfreundlich ie Verantwortung für ein Erstarken der Neonazis durch das Politikversagen herunter, das läuft so schon seit Jahren, hinsichtlich des Fidesz-Wertes übt man sich jedoch in neuer Zurückhaltung, nachdem angesehene Politikwissenschaftler die offensichtliche Manipulation angeprangert hatten. Zählt man die Stimmen für das "linke Lager" zusammen verfehlt dieses das Fidesz-Ergebnis noch immer um 10 Punkte.

 

Nach dem neuen The-Winner-takes-it-all-Wahlrecht, das durch diese Regierung eingeführt wird, genügen dem Fidesz rund 45% der Stimmen, um seine 2/3-Mehrheit an Mandaten im Parlament zu behalten, zumal darin die Hürden für neue, noch kleine Gruppen, die bisher noch gar nicht in den Umfragen erfasst und zum Teil noch nicht einmal als wählbare Parteien organisiert sind, besonders hoch gelegt werden.

Junge Erwachsene in Ungarn auf "Hotel Mama" angewiesen

Das vierte der namhafteren Umfrageinstitute in Ungarn, Ipsos, veröffentlichte letzte Woche ein Zahlenwerk, das die "Abhängigkeit junger Erwachsener von ihren Eltern" untersuchte und zu dem Schluss kommt, dass die Mehrheit der 19 bis 25jährigen vor allem aus materiellen Gründen überwiegend bei den Eltern lebt bzw. leben muss. 76% der 500 repräsenativ Befragten gaben das an. Zwei Drittel von allen Befragten gaben an, finanzielle Unterstützung von ihren Eltern zu bekommen, 80% der Hochschulabsolventen brauchen familiäre Unterstützung, um ihre Rechnungen bezahlen zu können, ein europäischer Spitzenwert, der, Dank der "Reformen" des Bildungsministeriums noch gesteigert werden dürfte. Lediglich 5% der Befragten sind in der Lage, ihre Eltern mit Geld zu helfen, wenn notwendig.

red.

 

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